Miroslav Pavlovic

Das Bild als Kunstgegenstand hat während des Modernismus im 20. Jahrhundert zahlreiche Transformationen erfahren. Diese Veränderungen gingen meistens in Richtung seiner Selbstüberprüfung, Problematisierung eines jeden seiner traditionellen Elemente und formalen Postulate, seiner visuellen Charakteristiken, seines poetischen oder semantischen Inhalts usw.

In der Zeit der historischen Avantgarden am Anfang dieses Jahrhunderts wurde das Bild zuerst in seinem Status angeschnitten durch die Reduktion des komplexen bildlichen Inhalts, der im Laufe seiner langen Geschichte gebildet wurde, als es trotzdem seine wenigstens veränderte Gestalt eines Kunstgegenstandes behalten hat, während es in radikalsten Fällen durch andere Nicht-Kunstgegenstände substituiert wurde, die Autoren mit dem Verkündigungsakt in das ästhetische Feld eingeführt haben.

Dieser Prozess wurde in der Zeit der konzeptuellen Kunst in den siebziger Jahren noch einmal wiederholt mit beiden seiner geschichtlichen Ausgänge. Das Bild wurde nach seinem Selbstmord im Enformel auf seine konstitutiven, primären Inhalte zurückgeführt, während diese Inhalte in einem anderen Kapitel dieser neuen Kunstpraxis analytisch problematisiert wurden von der epistemologischen, ontologischen und axiologischen Seite – im extremsten Falle wird der Kunstgegenstand selbst endlich entmaterialisiert, alle gewöhnlichen ästhetischen Inhalte sind also darin eingebaut, nur daß er nicht finalisiert wurde zu seinem materiellen Zustand.

Einen Teil dieser ästhetischen Aktivitäten des Modernismus könnte man als ein bestimmtes Experiment mit der Bildkonstruktion betrachten. Dieser Prozess wurde in der Epoche des Kubismus initiert und hat sich dann doch an der Oberfläche der Leinwand abgespielt. Der Konstruktivismus im russischen künstlerischen Experiment hat die klassische Vorstellung vom Bild desturiert, indem er es in das Feld des Reliefs bzw. des Objekts einführte, das die Eigenschaften des Bildes und der Skulptur kombiniert: das Bild blieb hier als Echo der Bildlichkeit und die Skulptur erscheint gleichzeitig mit ihrem Volumen, der dritten Dimension, dem Bedürfnis nach Verräumung.

Die Künstler mit aktuellen Ansichten der heutigen Praxis finalisieren diese Prozesse, kombinieren sie, verschränken sie, recyclen sie mit der klaren Absicht, den Status des neuen künstlerischen Schaffens nochmals zu (re)definieren. Ein der Öffentlichkeit völlig unbekannter Maler aus Vrsac, Miroslav Pavlovic, kommt in die Reihe der Autoren, die sich auf eine offensichtlich Problem-Weise gegenüber dem Komplex der ästhetischen Fragen, mit denen sich das laufende Schaffen beschäftigt, gestellt haben. Pavlovic wurde 1952 in Vrsac geboren, studierte an der Kunstakademie in Bukarest und machte 1978 auch sein Magisterstudium dort. Bisher hatte er Ausstellungen in Rumänien, Jugoslawien, skandinavischen Ländern und in den USA. An der Ausstellung in Vrsacer Konkordija zeigte er über 60 Bilder-Objekte und die gleiche Anzahl von Arbeiten auf dem Papier, die im Laufe von 15 Jahren entstanden sind.

Der Raum dieser Galerie selbst ermöglichte es Pavlovic, seine Ausstellung in einige Zyklen aufzuteilen, so wie sie nach einer offensichtlich einzigartigen inneren kreativen Idee entstanden. Man kann sagen, daß Pavlovic praktisch zum denselben Ziel gekommen ist, indem er verschiedene Malverfahren benutzt hat. Eines von ihnen basiert auf der analytischen und primären monochromen Malerei, wenn ihre Basiselemente – Farbe, die piktorelle Schicht überhaupt, das Prozess des Malens – diskutiert werden, die Art des Anstreichens der koloristischen Materie auf den Grund des Bildes und zugleich wird die Leinwandoberfläche im Bild – sein Aussehen, das Vorbereitungsverfahren, die Textur, technische Charakteristiken in diesem Prozess zum legitimen und konstitutiven Arbeitselement promoviert. Das andere Verfahren ist die Strukturierung der Gestalt des Bildes überhaupt, früher sagte man – die Poetik, auf die geometrischen Postulate, und im Laufe der achtziger Jahre handelt es sich eigentlich um eine Art Simulation der plastischen Sprache in den neugeometrischen Syntaxen des späten Modernismus. Das dritte ist der dekonstruktivistische Faktor in den Werken rezenter Produktion, wenn irgendeiner oder alle Inhalte der Malerei zerlegt werden in voneinander unabhängige ästhetische Komplexe, die in einem solchen “fraktalen” Zustand immerhin eine einheitliche Bildvorstellung bilden.

Es ist keineswegs möglich, das Opus von Miroslav Pavlovic in bezug auf seine große Ausstellungsabstinenz als reines Anfängerexperiment mit ungewissem Ausgang zu betrachten. Pavlovic hat überzeugend, verständlich und begründet ein völlig definiertes Malkonzept gezeigt, das völlig in der Ästhetik dieser Zeit fundiert ist, die auf den letzten Spuren des späten Modernismus steht, oder sogar in jenem Komplex der künstlerischen Fragen, die heute theoretisch auf die Idee einer neuen oder einer anderen Moderne am Ende des Jahrhunderts und dieser großen Kunstepoche gerichtet sind. Wie auch immer die endgültige Antwort auf die Frage über die Ziele und Bedeutung der Arbeiten von Miroslav Pavlovic sein mag, wird sein Werk ohne Zweifel in den Inhalt jenes laufenden Schaffens eingehen, das ihre künstlerischen Grenzen wahrhaftig verschoben hat.

Jovan Despotovic

Beograd, 1998